Believe

Nichts essen – bringt ja auch nichts! [Gastbeitrag]

Mein Weg von der Magersucht in die Bulimie mit einem gewaltigen Tritt zurück ins Leben

Laura

Ich sag ’mal: „Tach!“. Ich bin die Laura – im Herzen ein stolzes Pott-Mädl – und ich freue mich riesig für Anja und Dich einen Gastbeitrag zu schreiben. Es ist ein absolutes Herzensprojekt, denn heute öffne ich ein Türchen und zeige Dir meinen Weg aus der Magersucht und Bulimie zurück zur Lebensfreude.

10 Jahre.

10 Jahre, die mich heute zu dem Menschen gemacht haben, der ich jetzt bin. Ich kann nicht sagen, dass alles einfach und schön war, aber ich kann heute „Danke“ sagen. Danke – an all meine Hater und Probleme, die mich mit meinen 159 Zentimetern größer und stärker gemacht haben.

Mit 15 Jahren in den Teufelskreis.

Ich war immer ein glückliches und schlankes Mädchen, hatte super Noten in der Schule und kam bestens mit meinen Klassenkameraden klar. Bis das Mobbing begann.
Meine besten Freundinnen verschworen sich mit allen Mädchen aus der Stufe, liefen auf dem Pausenhof hinter mir her und sangen verletzende Lieder über mich. Sie lästerten laut und verbreiteten schmerzende Gerüchte.

„Damals war ich dem noch nicht gewachsen. Heute habe ich den Mut mich zu wehren!“

Was niemand wusste: Mein Opa, meine größte Stütze, lag im Sterben und ich versorgte ihn tagtäglich. Für meinen Vater war ich wie Luft und mein mich immer unterstützender Bruder zog aus. Es fühlte sich an, als wäre die ganze Welt gegen mich. Es musste an mir liegen. Ich war unnützer Dreck, Ballast und einfach ungewollt. Ich war der Störfaktor der Welt. Ich war einsam und merkte nicht einmal, dass meine Familie immer hinter mir stand.

Mein Schutz – keine Angriffsfläche bieten.

Ich wollte die Macht über mich und meine Wirkung auf andere haben. Ich zog mich zurück und arbeitete an mir, denn ich war der Fehler im System.
Ich war unsicher, versuchte es allen recht zu machen und bestrafte mich selbst. Doch gleichzeitig schrie ich nach Aufmerksamkeit und Anerkennung. Ich wollte doch bloß geliebt und akzeptiert werden – von meiner Familie und meinen Mitmenschen. Mein einziger Ausweg war mich zu perfektionieren. Doch nicht nur meinen Charakter, sondern auch meine äußerliche Erscheinung. Also trieb ich 21 Stunden die Woche Sport und aß am Tag nur noch einen viertel Apfel.

„Heute weiß ich, was ich meinem Körper angetan habe. Ich weiß, warum er fror.“

Hallo Magersucht!

Ich hasste mich. Ich wollte nicht sehen wie dürr ich war. Ich fühlte mich fett und niemals genug. Ich vertraute mich niemandem an und wollte es mit mir ausmachen. Denn ich war der Fehler. Der Fehler, den niemand haben wollte. So schien es für mich.

Doch was ich nicht ahnte war, dass sich meine Familie Sorgen um mich machte. Wie auch? Sie schrien mich an, versuchten mir mit allen Mitteln Fett ins Essen zu mischen und kontrollierten mich von morgens bis abends. Meine Mutter suchte in meinen Taschen und im Müll nach ausgekautem Essen, welches ich mich nicht getraut hatte herunterzuschlucken und verfolgte mich bis auf die Toilette.

Ich habe mich unverstanden gefühlt. Doch heute kann ich sagen, dass sie vieles richtig gemacht hat und sie mir so ihre Liebe gezeigt hat. Sie wollte mir helfen. Doch ich wollte es nicht.

Ich brauchte die Kontrolle, ich konnte nicht aufhören, ich wollte über mich selbst bestimmen – meine Familie sollte mich so akzeptieren, wie ich war. Bis mein Bruder weinend vor mir stand und mich anflehte aufzuhören. Er sagte mir, dass er mich nicht verlieren will und mich liebt.

Ich hatte mein Ziel erreicht – Liebe und Akzeptanz!

Mit 16 Jahren begann ich meine erste Therapie und nach nur einem Jahr hatte ich mein Gewicht verdoppelt. Ich war glücklich, bis mich mein Triggerpunkt überraschte.

Ich war die mit dem fetten Arsch.

Ich habe Angriffsfläche geboten; aufs Neue! Ich fiel zurück in die Magersucht und nach einer Magen-Darm-Erkrankung begrüßte mich die Bulimie.

Hallo Bulimie!

Ich hasste mich noch mehr als vorher! Wie konnte ich die Kontrolle über mich verlieren?
Ich erbrach wo ich nur konnte, in Einkaufszentren, zu Hause, in meinem Zimmer, bekam einen Fressanfall nach dem nächsten und konnte mich nicht mehr beherrschen. Ich hatte HUNGER und DURST. Selbst Wasser wurde zu meinem Feind! Hier kam es nicht mehr auf die Kalorien an, sondern um das reine Volumen, welches sich in mir befand. Ich widerte mich an. Es musste heraus.

Ich war nicht genug!

Nicht genug für meine Familie und besonders für mich. Dabei wollte ich doch nur geliebt werden. Ich brauchte meine Familie und wünschte sie wäre wie aus einem Bilderbuch entsprungen. Doch davon war ich weit entfernt. Magersucht und Bulimie hatten meine Familie und mich zerstört, obwohl ich doch nun alles hatte was ich wollte. Alle redeten über mich (in der Schule, in meinem Tanzverein und in meiner Familie).

Ich wurde von vielen Personen für meine Figur beneidet. Ich hatte endlich einen Weg zur Akzeptanz gefunden! Was war also an mir nicht in Ordnung? Wieso bekam ich keine Akzeptanz von meiner Familie? Ich wollte doch nur geliebt werden!

„Sie liebten mich, nur ich liebte mich nicht!“

Mein erster Schritt aus der Magersucht und Bulimie

Love

LIEBE UND FAMILIE. Mit 21 Jahren lernte ich meinen heutigen Freund Max kennen, denn ich habe die Hoffnung in die Liebe niemals verloren. Er hat mich vom ersten Augenblick geliebt und akzeptiert. Mich, meinen Charakter und mein Äußerliches. Durch ihn wurde meine Welt wieder positiv.

„ICH WAR ENDLICH GENUG!“

Ich lernte wieder zu vertrauen, nicht nur mir, sondern auch anderen Personen. Ich konnte wieder loslassen und die Kontrolle über meinen Körper lockern. Er hat mir gezeigt, was wirklich im Leben zählt! Nicht die Meinung anderer, dies ist meist nur purer Neid! Nein, das einzige was zählt sind Gesundheit, Selbstzufriedenheit und LIEBE! LOVE YOURSELF – der Schlüssel zur Lebensfreude.

MUT – mein zweiter Schritt aus der Magersucht und Bulimie!

Ich nahm meinen Mut zusammen und öffnete mich ihm und erzählte ihm meine Geschichte. Ich schämte mich, doch er verurteilte mich nicht. Er blieb einfach da und hörte mir zu. Ich kann nicht sagen, dass es einfach für ihn war – ich konnte ihm die Traurigkeit ansehen. Er war traurig darüber, dass ich mich selbst am wenigsten lieben konnte. Doch er hat niemals aufgegeben. Er hat mir sein Herz geöffnet und langsam begann ich mein Problem zu verstehen – meine Gedanken!

„Ich war mein größter Feind. Magersucht und Bulimie gaben mir Halt und Schutz nicht ich selbst sein zu müssen. Ich nahm mir die Lebensfreude und mein Gesicht und verweigerte die Liebe, die mir gegeben wurde.“

Heute esse ich wieder!

Okai, oder morgen. Oder doch nächste Woche! Ich habe mich unter Druck gesetzt. Ich wollte meinen Freund stolz machen, ich wollte ihm zeigen, dass ich mich liebe. Doch dieser Gedanke führte zu Rückfällen. Ich verschwieg es ihm, bis mein schlechtes Gewissen eintrat. Ich hatte ihn verletzt – ich hatte ihm nicht genug vertraut. Ich hatte Angst wieder abgestoßen zu werden, dass ich nicht stark genug war und ein Versager bin. Also schlossen wir einen Pakt: Ich erzähle ihm von jedem kleinsten Rückfall.

„Ich brauchte Unterstützung – Hilfe. Ich konnte es nicht mehr mit mir selbst ausmachen.”

Therapie – mein dritter Schritt aus der Magersucht und Bulimie

Ich wollte kämpfen: Um mich, meinen Körper und mein Gesicht. Ich verstand immer mehr worauf es im Leben wirklich ankommt. LIEBE, VERTRAUEN, GESUNDHEIT UND FAMILIE.

So vertiefte sich auch mein innigster Wunsch! Eine eigene Familie zu gründen. Doch dies würde niemals funktionieren, wenn mein eigener Körper durch die Unterernährung nicht funktioniert. Ich würde niemals Kinder bekommen können, wenn ich so weitermache wie bisher. Ich könnte niemals ein Vorbild sein.

So meinSelflove Entschluss: NICHTS ESSEN BRINGT JA AUCH NICHTS!

Ich wollte wieder Leben, ich wollte die Freude am Leben spüren, mich selbst lieben und meine Familie wieder stolz machen. Ich wollte wieder ICH werden, um mir den Weg zu einer eigenen Familie zu ermöglichen.

Mein eigener Wille!

Nur durch mich selbst, ein Umdenken im Kopf und einen gewaltigen Tritt habe ich die Lebensfreude wieder zurückerlangt und meinen Sinn des Lebens gefunden. Ich will ein Vorbild sein und zeigen, dass jeder den Weg aus der Magersucht und Bulimie schaffen kann.

Danke an all meine Hater, denn nur so habe ich heute mit 25 Jahren den eigentlichen Sinn des Lebens herausgefunden. Freude, Liebe, Selbstakzeptanz und Gesundheit.

Bleib stark! Schau‘ genau hin – es gibt genug Menschen, die Dich wirklich lieben.

Deine Laura.

P.S.: Liebe Deine Unvollkommenheit! Und liebe Schokolade!

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